2018: Streckenübersicht Lokpersonal

Verwirrend? Einige Dienstschichten aus Stralsund im Jahr 2010

Viele Fernzüge der Deutschen Bahn durchqueren Deutschland beinahe komplett von Nord nach Süd oder von Ost nach West. Teilweise sind die Züge weit über 10 Stunden unterwegs. Wie sieht es da beim Lokpersonal aus? Fährt da jemand die gesamte Strecke durch oder findet ein Wechsel statt? Wird am Ziel übernachtet und geht es am nächsten Tag erst wieder zurück? Diese Seite gibt einen kleinen Überblick.

Das Lokpersonal bei DB Fernverkehr ist dezentral organisiert. Im Streckendienst tätige Mitarbeiter sind auf 26 Standorte aufgeteilt. Von dort aus starten sie ihren Dienst im Rahmen der gesetzlich geregelten Arbeitszeit und betrieblich vereinbarter Regelungen. Grundsätzlich wird angestrebt, dass ein Lokführer zum Ende der Schicht wieder seinen Heimatstandort erreicht.

Die typische Schichtstruktur sieht wie folgt aus:

  • Schichtbeginn (Bahnhof A) – Fahrt nach Bahnhof B – (Pause) – Fahrt nach Bahnhof A – Schichtende

Folgende Muster kommen ebenfalls vor:

  • Bahnhof A – Bahnhof B – Bahnhof C – Bahnhof B – Bahnhof A („Kniefahrt“)
  • Bahnhof A – Bahnhof B – Bahnhof C – Bahnhof A („Dreiecksfahrt“)
  • Bahnhof A – Bahnhof B – Bahnhof A – Bahnhof B – Bahnhof A

sowie weitere Konstallationen ähnlicher Art.

In einigen Fällen lässt es sich nicht vermeiden, dass auswärtige Übernachtungen nötig sind. Hier werden entsprechende Hotelkapazitäten gebucht, um Ruhezeit zu gewähren. Die Übernachtungsschichten hängen mit der unterschiedlichen Personalstärke der einzelnen Einsatzstellen, aber auch mit dem Fernverkehrsangebot auf dem jeweiligen Streckenabschnitt zusammen. Erreicht ein Zug seinen Zielbahnhof erst nach Abfahrt des letzten Zuges in die Gegenrichtung, bleiben als Alternative entweder Gastfahrten mit einem anderen Unternehmen (z.B. DB Regio) zurück zum Heimatbahnhof oder eben eine Übernachtung, um am nächsten Tag einen Zug in die Gegenrichtung zu fahren.

Nicht zu verwechseln mit einer „Übernachtung“ sind Nachtschichten. Lokführer fahren im unregelmäßigen Schichtdienst, d.h. der Schichtbeginn kann zu jeder Tageszeit erfolgen und das Schichtende ebenso. Typische Schichtzeiten können genauso von 4:27 bis 15:12 liegen wie 13:10-19:43, 19:16-2:19 oder 21:36-7:08.

Von den Einsatzstellen aus sind unterschiedliche Strecken zu befahren. Voraussetzung für die Zuteilung einer entsprechenden Schicht ist der Nachweis der Streckenkunde. Dies ist in der Personaldisposition elektronisch hinterlegt. Gleiches gilt für das zugeteilte Triebfahrzeug. Bei DB Fernverkehr sind eine Vielzahl von Lok- und ICE-Baureihen im Einsatz. Insbesondere bei größeren Einsatzstellen ist es aus schlicht wirtschaftlichen Gründen üblich, dass das Personal auf einzelnen Strecken und einzelnen Baureihen nicht kundig/berechtigt ist. So ergibt sich für das Personal teils ein unterschiedliches Portfolio der Dienstgestaltung.

Von einigen Einsatzstellen aus finden Dienste in das benachbarte Ausland statt. Näheres hierzu in den Ausführungen unten. Im Gegenzug ist fremdes Personal ebenso im Netz der DB unterwegs.

Die genannten 26 Standorte teilen sich die mit Personal zu besetzenden IC/ICE-Linien sowie das ÖBB-Nachtzugangebot und die existierenden Leerzüge/Überführungen sehr flexibel auf. Es ist mit wenigen Ausnahmen (am Rand des Fernverkehrsnetzes) somit nicht der Fall, dass ausschließlich die Einsatzstelle A die ICE-Linie x besetzt, die Einsatzstelle B ausschließlich die IC-Linie y. Ebenso ist – mit wenigen Ausnahmen – kein Streckenabschnitt einer bestimmten Einsatzstelle fest zugeordnet. Zwischen Bahnhof A und Bahnhof B ist somit i.d.R. nicht exklusiv die Einsatzstelle x zuständig, sondern es fährt genauso Personal der Einsatzstelle y, z usw. Diese Flexibilität setzt sich bei den einzelnen Wochentagen fort, d.h. am Montag kann Zug a von Einsatzstelle x gefahren werden, am Dienstag von Einsatzstelle y usw.

Durch das wochentagsabhängig unterschiedliche Mobilitätsbedürfnis der Fahrgäste (Wochenendpendler, Urlauber) ist es nicht immer möglich, eine gesamte Schicht mit zu fahrenden Zügen zu planen. Insbesondere am Wochenende existieren daher auch Schichten, die eine oder mehrere Fahrten als Fahrgast beinhalten, um wieder den Heimatstandort zu erreichen.

  • Ergänzend zu den folgenden Übersichten sei zu erwähnen, dass es sich lediglich um einen grundsätzlichen Überblick mit Stand des Jahresanfangs 2018 handelt. Fahrplandaten sind dynamisch und die Schichtpläne innerhalb eines Jahres somit auch. Darüberhinaus existieren hier nicht dargestellte Schichten zur Bereitstellung von Zügen am Startbahnhof (technischer Vorbereitungsdienst, Fahrt vom Abstellbahnhof/Werk zum Startbahnhof und umgekehrt). Bezüglich der jeweils angegebenen Streckenkunde ist zu ergänzen, dass das Personal mitunter auch auf Umleitungsstrecken kundig ist, welche unten nicht erwähnt sind sowie diverse Zielorte eine umfassende Ortskenntnis beinhalten können.


Über das Menü links bzw in mobiler Ansicht oben erfolgt in vier Teilen alphabetisch sortiert die Vorstellung der einzelnen Einsatzstellen: