
Leicht erweitert zeigt sich das Angebot des Jahresfahrplans 1991/ 1992, wenngleich nicht unbedingt im Fernverkehr. Der Morgenschnellzug D 1051 ist bis Halle/Saale verlängert, sein Gegenzug D 1056 kommt neu gar von Berlin-Lichtenberg, dazwischen hängt mit D 650 eine DR-Binnenleistung Halle – Berlin (ob dies der einzige Zug ist, darf allerdings bezweifelt werden, folgt man den Grahnert’schen Angaben, käme da ein sehr unproduktiver Umlauf heraus).
D 1057/ 1050 verkehren hingegen zwischen Kassel und Leipzig mit einem sehr überschaubaren eintägigen Umlauf. Der „Starzug“ der Strecke ist nun D 1053/ 1052 Köln-Leipzig, der nun in beiden Richtungen tagsüber verkehrt, neu einen Speisewagen führt (nach Bildquellen definitiv einen WR 62)[1] und in Köln mit dem D 1035/ 1034 Köln-Stralsund umlaufverknüpft war (folglich kamen die WR61 auch im Jahresfahrplan 1991 noch ganz ordentlich herum, auch wenn ihnen neue BordBistros und Ähnliches ihre Vorjahresleistungen teilweise streitig machten.
Neu auf der Strecke Eichenberg-Arenshausen war D 441/ 440 Düsseldorf-Zwickau, ein „alter Bekannter“ aus dem Kapitel „Wolfsburg-Oebisfelde“ und ein langjähriger Klassiker unter den Interzonenzügen. Unter Beibehaltung seiner angestammten Endbahnhöfe nahm dieser Zug nun einen völlig neuen Weg, bei dem zwischen Dortmund und Halle alle Zwischenbahnhöfe komplett änderten. Vor dem Hintergrund, dass der zweite Nachtzug (D 449/ 448) nur noch bis/ ab Dresden fuhr, die Laufwege beider Züge also weitgehend identisch waren sowie der aufgrund schneller Tagesverbindungen und der zunehmenden Individualmotorisierung im Osten sinkenden Nachfrage war es sicher ein vernünftiger Entscheid, zumindest für die nächtliche „Laufkundschaft“ in den Sitzwagen ein grösseres Potenzial zu erschliessen, indem man für beide Züge unterschiedliche Laufwege wählte. Im Gegensatz zu früheren Jahren bot D 441/ 440 nun immerhin wieder einen Liegewagen bis und ab Leipzig.
Ergänzt wurde das Angebot durch drei Eilzüge, deren Umläufe schwer nachvollziehbar sind – nicht zuletzt deshalb, weil ihre bei Grahnert genannten Zugläufe in den wenigsten Fällen paarig sind. Möglicherweise gab es weitere Zugsleistungen, die aber (numerisch und damit wohl auch abrechnungstechnisch) dem Regionalverkehr zugeordnet waren und die deshalb bei Grahnert nicht auftauchen. Zumindest wurde mit drei Zugspaaren irgendwie die Region zwischen Kassel, Leinefelde und Erfurt abgedeckt, das erstmals auch von dieser Strecke direkt erreicht wurde. Züge in/ aus Richtung Süden (Frankfurt/Main) finden sich im Jahresfahrplan 1991/ 1992 hingegen nicht mehr auf der Strecke.
[1] elektrisch auf der Mitte-Deutschland-Verbindung im Juni 1991 (Gerd Böhmer – Berliner Eisenbahnarchiv), zuletzt abgerufen am 30.10.24
