Mit acht Transitzügen, einem Interzonenzug und den Militärzügen war der Übergang Helmstedt-Marienborn bereits recht gut ausgelastet – auch wenn die Transitzüge die im Gegensatz zum Autobahngrenzübergang eher klein dimensionierte Anlage in Marienborn jeweils nur kurze Zeit belasteten.
Das überlieferte Angebot an zusätzlichen Zügen nach der Grenzöffnung ist dann auch eher überschaubar: Neben einem Eilzugspaar Magdeburg-Braunschweig (E 2040/ 2049) kamen noch zwei Schnellzugspaare hinzu: D 1445/1444 Köln-Magdeburg und D 1449/ 1448 Köln-Berlin[1], wobei „Berlin“ hier zu spezifizieren wäre (was die zitierte Übersicht leider versäumt). Da zumindest D 1448 auch noch im Fahrplan 1990 in mutmasslich ähnlicher Zeitlage verkehrte, lässt sich vermuten, dass es sich hier um den nach Westen verlängerten D 648 Berlin Schöneweide-Magdeburg Hbf handelte, der bisher auf dieser Strecke als Tagesrandzug unterwegs war und nun als Nachtzug (ohne Schlaf- und Liegewagen) bis Köln verlängert wurde. Bei D 1449 dürfte es sich demzufolge in der „Chaosphase“ um das zugehörige Gegenstück gehandelt haben – den von Westen rückverlängerten Frühzug D 641 von Magdeburg, der in Berlin-Baumschulenweg endete und somit zumindest in Teilen der Bundesrepublik dieser S-Bahnstation mit Fernbahnsteig zu einer gewissen Bekanntheit verhalf (wo ich diese Zeilen schreibe, meine ich mich auch an Diskussionen in „West-Eisenbahnerkreisen“ zu erinnern, wo zur Hölle denn Berlin-Baumschulenweg läge….).
Die passende Komposition für einen Einsatz als „Spontan-Interzonenzug“ hatte das Zugspaar bereits, war es doch schon vorher mit dem Hamburger Tagesrandzug D 331/ 338 umlaufverknüpft gewesen. Eher im Unklaren bleibt die für das zweite Zugspaar verwendete Zugskomposition – ebenso wie die des Eilzugs. Bezüglich des D 1444/ 1445 kann allerdings möglicherweise die persönliche Erinnerung des Verfassers weiterhelfen, der sich daran erinnert, einen dieser Züge mal für eine Reise nach Gütersloh um Ostern 1990 genutzt zu haben. Da D 1448 dafür zeitlich nicht in Frage kam (der war mitten in der Nacht in Hannover, wie zum Himmel soll ich da von Hamburg hingekommen sein und welcher masochistische Grundgedanke sollte mich dazu veranlasst haben?) kann es sich eigentlich nur um D 1444 gehandelt haben. Sollte dem so sein, hätte auch dieser Zug aus einer Komposition von Halberstädter UIC-Z2 bestanden (in meiner Erinnerung kam der eben aus Berlin, was aber zumindest mit der genannten Liste nicht in Übereinklang zu bringen ist).
Beim Eilzug bleibt leider auch die Fahrlage weitgehend unklar, den Nummern nach (und auch der sonstigen Logik der kurzfristig eingelegten Züge folgend) müsste er morgens von Magdeburg nach Braunschweig und am Abend in die Gegenrichtung gefahren sein, was grundsätzlich mal den Einsatz einer Komposition der Reichsbahn (mutmasslich Bmh-Wagen) nahelegen würde. Im Fahrplan 1990 findet sich kein passender Vergleichszug, allenfalls käme der D 1449 in Frage, der nun zu einem kombinierten Nacht-/ Tagzug wurde und in östlicher Richtung neu tagsüber fuhr und in Magdeburg endete. Dieser Zug fuhr ab Braunschweig Hbf um 18:35, was für den Eilzug aus der „Chaosphase“ grundsätzlich eine ganz passende Fahrlage abgegeben hätte.
Ebenfalls lässt die zitierte Übersicht offen, ob der Eilslebener Eilzug nun täglich oder weiterhin nur am Wochenende fuhr. Aufgrund der zeitlichen Lage und des kurzen Laufwegs, die für „Ostbesucher“ im „Westen“ nur bedingt geeignet waren, wäre fast zu vermuten, dass es hier – wie auch beim im Kapitel „Lübeck-Herrnburg“ erwähnten Eilzug Hamburg-Schwerin aus dem „Kleinen Grenzverkehrs-Programm“ – weiterhin beim Verkehren am Wochenende blieb. Ob allerdings weiterhin ein LVT für diese Leistung ausreichte (der ganze LVT ist Übrigens eine Vermutung des Verfassers, der meint, sich an entsprechende Aufnahmen zu erinnern – es wäre wünschenswert, wenn sich dies noch verifizieren liesse), muss leider ebenfalls (vorerst) offenbleiben.
[1] Auflistung gem. Vetter, S. 68
