ICE – die ersten zehn Jahre


Offiziell eröffnet wurde der Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland am 29. Mai 1991 in Kassel. Fünf* ICE-Züge (mit den Namen „Niedersachsen“, „Bayern“, „Baden-Württemberg“, „Hessen“ und „Bonn“) aus Hamburg, München, Stuttgart, Wiesbaden und Bonn fuhren in einer Sternfahrt zum neu erbauten Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe. In Anwesenheit zahlreicher Prominenz gab der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Startsignal für den ICE-Verkehr.

In nahezu allen Städten an der neuen ICE-Linie wurde an diesen Tagen gefeiert. U.a. wurden Schnupperfahrten angeboten, die z.T. schon mehrere Wochen vorher ausverkauft waren.

Fahrgäste konnten sich auf ein völlig neues Erlebnis freuen: Jeder ICE bestand aus vier Wagen der 1. Klasse, einem Bordrestaurant mit Bistrobereich und acht Wagen der 2. Klasse:

Der Einsatzstart des ICE wurde kommunikativ stark begleitet. Ein Medium war die damalige Broschüre „BahnAkzente“. Hier ein Auszug:

Quelle der drei Abbildungen: Deutsche Bundesbahn „BahnAkzente“, Ausgabe 3/91

In jedem Wagen bestand die Wahl aus klassischen Abteilsitzen, einem Großraumbereich mit Reihenbestuhlung sowie vis-a-vis Sitzbereichen mit Tisch.

Blick in den Großraumbereich 1. Klasse:

Die Abteile in der 1. Klasse boten jeweils fünf Plätze und damit recht großzügigen Freiraum:

In jeweils einem Wagen der 1. Klasse und der 2. Klasse waren Sitze mit Videobildschirmen installiert:

Für diesen „Video am Platz“-Bereich konnten gezielt Reservierungen vorgenommen werden:

Das Bordrestaurant:

Sitzplatzbereich der 2. Klasse:

Anfang der 1990er Jahre war privater, aber auch geschäftlicher Mobilfunk noch recht unbekannt. Zu den Innovationen im ICE zählte neben einem öffentlichen Kartentelefon daher auch die Möglichkeit, Anrufe im Zug zu erhalten:

Quelle: Kursbuch der Deutschen Bundesbahn 1991

Dem Anrufer musste der konkrete ICE bekannt sein, in welchem der gewünschte Gesprächspartner reiste. Nach Wahl einer individuellen Mobilfunknummer wurde auf dem Anrufbeantworter des ICE eine Nachricht hinterlassen. Diese wurde durch das ICE-Team abgefragt und der gewünschte Fahrgast im Zug ausgerufen.

Quelle: Kursbuch der Deutschen Bundesbahn 1991

Im Anschluss hatten Fahrgäste die Möglichkeit, die Kontaktperson über das Kartentelefon des Zuges anzurufen und so ein direktes Gespräch zu führen:

Über das Menü links sind die Einsätze des ICE in den 1990er Jahren abrufbar.

* Anmerkung März 2018: Mir wurde mitgeteilt, dass an der Sternfahrt entgegen diverser Medienbeiträge seinerzeit insgesamt sechs ICE-Züge teilgenommen haben. Mir liegt ein Foto mit sechs Zügen im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe vor, jedoch verfüge ich über keine weiterführenden Belege (Fahrpläne, Startbahnhof des sechsten Zuges).