Am 2. Juni 1991 war es soweit. In Hamburg-Altona betätigte um 5:53 Uhr der Hamburger Lokführer Harry Pfaffe den Zugkraftsteller in seinem Führerstand. Der ICE 593 „Münchner Kindl“ setzte sich in Bewegung und läutete so das Hochgeschwindigkeitszeitalter bei der Deutschen Bundesbahn ein.
Hier der Fahrplan des Premierenzuges:
Die ersten Fahrgäste, die planmäßig Tempo 250 erlebten, reisten übrigens im ICE 794 „Senator“, der den Stuttgarter Hauptbahnhof zwar erst um 6:53 Uhr verließ, von dort jedoch direkt auf die Schnellfahrstrecke Stuttgart-Mannheim fuhr. Zu dieser Zeit befand sich ICE 593 noch mit 200 km/h zwischen Hamburg und Hannover.
Für die Nutzung der ICE-Züge wurde ein relationsabhängiger ICE-Fahrpreis festgelegt. Die Höhe richtete sich (im Gegensatz zum bundesweit einheitlichen Kilometerpreis, welcher bis dahin für Fahrpreisermittlungen angewendet wurde) vor allem nach der Fahrzeitersparnis gegenüber herkömmlichen Zugverbindungen. Auf dem Fahrschein war der Tarif und die konkrete ICE-Relation gesondert vermerkt:

Noch eine Anmerkung zur Höchstgeschwindigkeit: Obwohl die Züge von Anfang an für 280 km/h zugelassen waren, wurden zunächst nur 250 km/h gefahren. Erst mit Eröffnung der ICE-Linie Hamburg-Basel wurde die max. gefahrene Geschwindigkeit auf 280 km/h heraufgesetzt.
Eine Liste mit allen ICE-Zügen im Sommer 1991 ist hier hinterlegt: ICE 1991.
Im Herbst (ab 29.09.91) wurden neue Tagesrandverbindungen von bzw. nach Wiesbaden und Heidelberg eingelegt.
Zum Fahrplanwechsel im Sommer 1992 war geplant, die Züge der Relation Hamburg-Würzburg-München auf ICE umzustellen. Einige Einheiten standen schon etwas früher zur Verfügung. So wurden im Laufe des Fahrplanjahres 1991 bereits einige IC-Züge Hamburg-Würzburg- München mit ICE-Garnituren gefahren. Erstes Zugpaar war ab dem 18. November 1991 IC 582 und IC 583 „Jakob Fugger“. Diese Züge konnten mit IC-Zuschlag, d.h. ohne ICE-Aufpreis, benutzt werden. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Schnellfahrstrecke (SFS) war auf 200 km/h begrenzt. Grund: 1991 existierte noch eine Vorschrift, nach der bei Geschwindigkeiten höher als 200 km/h ein Beimann (d.h. eine zweite fachkundige Person im Führerstand) den ICE-Lokführer begleiten musste. Diesen Beimann wollte man einsparen; außerdem wäre, da längst nicht alle Züge auf ICE umgestellt werden konnten, der Fahrplan durcheinandergeraten.
Schließlich wurden im Frühjahr 1992 noch ICE-Schnupperfahrten von und ab Hamburg angeboten. Diese Züge fuhren wenige Minuten vor den
planmäßigen IC/EC-Zügen und konnten ebenfalls zum IC-Preis benutzt werden. Eingesetzt wurden die ICE-Züge 15027 von Hamburg über Dortmund
und Köln nach Frankfurt/M, ICE 15714 von Stuttgart über Köln-Gelsenkirchen-Münster/W nach Hamburg und ICE 16691 von Frankfurt nach Stuttgart.
Im April bzw. Mai 1992 kam es nach gescheiterten Tarifverhandlungen zu einem Streik bei der Deutschen Bundesbahn. Auch der ICE-Verkehr war davon betroffen. Zahlreiche Züge fielen aus bzw. es wurden lokbespannte Ersatzzüge eingesetzt.
Alle planmäßigen ICE-Haltebahnhöfe ab 02.06.1991: Augsburg Hbf, Frankfurt/M Hbf, Fulda, Göttingen, Hamburg-Altona, Hamburg Dammtor, Hamburg Hbf, Hamburg-Harburg, Hannover Hbf, Kassel Hbf, Kassel-Wilhelmshöhe, Lüneburg, Mannheim Hbf, München Hbf, Stuttgart Hbf, Ulm Hbf, Wiesbaden Hbf, Worms Hbf.
Neu ab 29.09.91: Heidelberg Hbf.
