Erstaunlicherweise sind Berichte über Zusatzverkehr auf der Strecke Wolfsburg-Oebisfelde im Vergleich zu anderen Strecken im November 1989 eher spärlich. Hierzu könnte der Umstand beigetragen haben, dass – anders als bei den meisten Strecken – mit Oebisfelde auch ein grösserer Bahnhof bzw. Bahnknoten auf Reichsbahn-Seite zugleich Grenzbahnhof war. Dies war ansonsten nur in Probstzella und – mit noch zu erläuternden Einschränkungen – in Gerstungen sowie im bis anhin im Personenverkehr von westlicher Seite nicht angefahrenen Ellrich der Fall. Durchaus denkbar also, dass ein Teil des Zusatzverkehrs von Oebisfelde Richtung Osten mit Regelzügen abgewickelt wurde und von Westen entweder in Wolfsburg endende Züge verlängert wurden (im Grenzverkehr oblag der DB ohnehin die Traktion der Züge bis Oebisfelde) oder in irgendeiner Form zwischen beiden Bahnhöfen gependelt wurde.
Sicher war Wolfsburg als grenznahe Stadt als Reiseziel an sich weniger attraktiv als Lübeck oder Hamburg, andererseits standen für die meisten „Erstbesucher:innen“ des „Westens“ touristische Highlights mutmasslich weniger im Vordergrund. Und die Entgegennahme sowie das anschliessende Ausgeben des „Begrüssungsgeldes“ beim örtlichen Handel war fraglos auch in der eher reizarmen Wolfsburger Innenstadt möglich. Als dauerhafte Zusatzangebote (ab dem 17.11.89) sind denn auch nur zwei Eilzugspaare nach Stendal (je eines von Hannover und Braunschweig) überliefert.[1] Zumindest vom Braunschweiger Eilzug gibt es Bilder, die ihn auf Bundesbahngebiet bespannt mit einer 216 und drei Mitteleinstiegswagen zeigen.[2]
[1] Gemäss Übersicht in: Klaus J. Vetter, Zug um Zug zur Einheit -Die deutschen Eisenbahnen und der Fall der Mauer, München 2014 (i.F. zit.: Vetter), S. 68.
[2] Website www.hgli.lima-city.de, Rubrik «Fotos», dort Strecke Braunschweig-Fallersleben, Baureihe 216, zuletzt abgerufen am 26.10.2024.
