
Der Jahresfahrplan 1992/ 1993 zeigte sich auf der ehemaligen Grenzstrecke Wolfsburg-Oebisfelde primär als Weiterentwicklung des Ausbaus von 1991/ 1992: Fünf Inter-Regios fuhren nun in einem sauberen 2-Stunden-Takt von Köln nach Dresden[1] mit einer Taktlücke am Mittag, die ab Hannover durch einen IR von Norddeich gefüllt wurde. Morgens kam ein weiterer Zug mit dem Laufweg Hannover-Dresden hinzu, so dass zwischen Hannover und Leipzig insgesamt sieben IR einen tagesfüllenden 2-Stunden-Takt mit Abfahrten von 6:41 bis 18:41 (ab Hannover Hbf) boten.
Hinzu kamen zwei Schnellzüge aus dem niederländischen Hoofddorp (in der Gegenrichtung nur bis zum Amsterdamer Flughafen Schiphol) nach Berlin, die östlich von Oebisfelde auf der Lehrter Bahn blieben (die IR Richtung Mitteldeutschland nahmen – wie schon im Jahresfahrplan 1991/92 – alle die direkte Verbindung über Haldensleben nach Magdeburg) und nach Berlin (Stadtbahn) weiterfuhren. Zwischen Hannover und Oebisfelde füllten diese Schnellzüge teilweise die Taktlücken der IR, so dass vom Mittag bis zum Abend ab Hannover Hbf – mit Ausnahme der Abfahrt 15:41 – sogar ein Stundentakt bis Oebisfelde bestand.
Während die IR artreine DB-Kompositionen (mutmasslich mit Heimatbahnhof Köln) waren, bestanden die „Amsterdamer“ Schnellzüge komplett aus Reichsbahn-Material, wobei weiterhin ein WR84 eingesetzt wurde. Anstelle der Halberstädter-„Standard“-Schnellzugwagen kamen teilweise auch ehemalige Städte-Express-Wagen sowie die Bomz236 oder Bautzener Amz210 aus „Nachwende-Produktion“ zum Einsatz[2]. Dieser Angebotssystematisierung fielen die beiden anderen Verbindungen über die Lehrter Bahn nach Osten zum Opfer: der tagesrandige „Eil-Schnellzug“ Hannover-Berlin (dessen umlaufverknüpfte Leistung D 331/338 ihrerseits der Systematisierung des IC-Angebots zwischen Hamburg und Berlin zum Opfer fiel) wie auch der „traditionelle“ Görlitzer D 445/ 444, der immerhin zum langjährigen „Inventar“ der Interzonenzüge gehört hatte – wenn auch mit Ausnahme seines letzten Jahres auf der Strecke Helmstedt-Marienborn.
Ebenso entfallen war der aus dem verlängerten Görlitz-Magdeburger „Heckeneilzug“ zwei Jahre zuvor entstandene D 443/ 442 – aus dem südöstlichen Sachsen-Anhalt oder der Niederlausitzer Provinz fuhr man nun im gebrauchten Westauto „in den Westen“ oder stieg – je nach Zielort – in Leipzig, Magdeburg oder Berlin um. Vergleichsweise wenig zum Vorjahr tat sich bei den Nachtreisezügen, ausser, dass beide neue Zugnummern erhielten: Der Moskauer Zug fuhr nun als D 245, während der Dresdner Nachtzug, nachdem er bereits 1991 seinen internationalen Laufweg eingebüsst hatte, nun auch seine internationale Zugnummer verlor und aus D 1949 durch die wiedervereinigten Lande rollte.
[1] Bzw. endete der letzte Zug, IR 2647 bereits in Leipzig – offenbar hielt man seine (theoretische) Ankunft in Dresden Hbf um 0:26 für nicht mehr marktgerecht. Der letzte Dresdner Zug, IR 2645 hatte zwischen Leipzig und Dresden eine um 2 Minuten gestreckte Fahrtzeit; das waren aber schon alle Abweichungen vom sauberen Taktfahrplan.
[2] www.Altmardampf.de zeigt in der Fotogalerie „Diesel- und Elloks 1990-1994“ den D 2343 mit einem modernisierten WR84 sowie Bomz236 in IC-Lackierung. Das Bild stammt zwar vom 30.4.1992, somit noch aus dem Jahresfahrplan 1991/92 und möglicherweise wurden diese Wagen ab dem Fahrplanwechsel dann für den Mehrbedarf im gewachsenen gesamtdeutschen IC-Netz genutzt, es kann aber davon ausgegangen werden, dass auch im Jahresfahrplan 1992/93 seitens des zuständigen Bww Berlin-Rummelsburg möglichst hochwertiges Rollmaterial für die beiden „Amsterdamer“ gestellt wurde.
